Neckclothitania: Die Krawattenmode des neunzehnten Jahrhunderts

Die Krawatten, die wir heute tragen und uns gekonnt um den Hals binden unterscheiden sich sehr von denen, die vor 200 Jahren in Mode waren. Als die Krawatte erfunden wurde, blieb sie zunächst dem Adel vorbehalten, vor allem die englische High Society begeisterte sich für das Accessoire. Kein Wunder, dass schnell auch eine Regelwerk mit Anleitungen zu den verschiedenen Bindetechniken geschrieben wurde. Die Neckclothitania wurde vor fast 200 Jahren verfasst enthält jedoch auch Grundsätze eines eleganten Auftretens, die auch heute noch gültig sind.

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“Ich wurde angehalten, die folgenden Beobachtungen über das Tragen der Krawatte zu veröffentlichen, dabei habe ich den aufrichtigen und ehrlichen Wunsch eine klare und deutliche Linie zwischen dem Mann, wie er sich gehört und dem Lumpengesindel zu ziehen, im Bezug auf die Erscheinung, und das Auftreten im Angesicht von Fremden.(…) Es sollte der begehrteste Wunsch eines jeden Gentlemans sein, den Rest der Welt davon zu überzeugen, das er wahrlich ein solcher ist, da er dies nicht wie bei seinen Vertrautten demonstrieren kann, muss er es durch seine Kleidung ausdrücken, “die Kleidung macht den Mann aus”».

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Illustration der Titelseite der  Neckclothitania (1818)

Illustration der Titelseite der Neckclothitania (1818)

Mit diesem Vorwort beginnt das Buch “Neckclothitania oder Tietania”, welches in London im September 1818 veröffentlicht wurde und das trotz des pompösen Tons in ironischer Weise die Modetrends der Gesellschaft zu dieser Zeit beschreibt.

In dem Band enthalten sind Beschreibungen und Abbildungen, die Ascot Krawatten (Regency Tie), wie sie damals in Mode waren, darstellen: Wie in der Abbildung zu sehen ist, ähnelt das Accessoire von damals allerdings eher einem Schal, als der heutigen Krawatte. Die Männer knoteten sich die Krawatten mit komplexen Techniken um den Hals.

Laut dem Autor des Textes, gab es zu der Zeit so viele Möglichkeiten, eine Krawatte – oder besser gesagt ein Halstuch- zu binden, dass sein Text wie es auch er Titel besagt nur ein kurzer Überblick sein sollte.

Einer der Knoten, der in der Necklothitania beschrieben wird ist der so genannten “Orientale Knoten” der für feste, gestärkte Textilien verwendet wurde, brüsk gebunden wurde und stets perfekt halten sollte. Der „Mathematik-Knoten“ (auch “Dreieckiger Knoten” genannt) war weniger stark als der zuvor genannte und zeichnete sich durch drei Schlingen aus. Der “Osbaldeston” war genau das richtige für Männer die einen großen Knoten wollten, der „Irische“ dagegen war klein und simpel und auch einen “Napoleon-Knoten”, von dem es heißt, dass er von Napoleon während seinem Exil auf Elba erfunden wurde, gab es. Die Zusammenfassung der Krawattenknoten zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts ist lang beinhaltet noch viele weitere Knoten.

Colin Firth als Mr Darcy

Colin Firth im Kostüm als Mr Darcy (TV Serie ” Stolz und Vorurteil”, BBC 1995)

Elegant und aus den edelsten Textilien gefertigt, waren die Tücher das Must-Have der Gentlemen des 19. Jahrhunderts, heute sieht man die Krawatten noch häufig als Teil des Kostüms in Filmen die zu dieser Zeit spielen.

Der Autor schließt sein Buch mit der Erinnerung an die gut gestärkten und professionell gebundenen Krawatten, die dem Mann ein würdevolles und erhabenes Auftreten verliehen, wie es sonst kaum möglich wäre. Das Accessoire hat sich im Laufe der Jahrhunderte stark verändert, aber ihr Zweck nicht!

 

Manschettenknöpfe Zylinder-grün

Manschettenknöpfe Zylinder-grün

Ascot Krawatte Champagner

Ascot Krawatte Champagner

Weißer Seiden-Kummerbund

Weißer Seiden-Kummerbund